Mein Hausbau – Eine wahre Geschichte Teil 1Mein Hausbau – Eine wahre Geschichte Teil 1

Eine lange Idee, wurde im Sommer 2016 wahr – der Garten meiner Kindheit, der seit fast 30 Jahren traurig und einsam vor sich hin wuchs, wurde mein eigener Garten.

Die Geschichte hat aber einen Anfang, der 100 Jahre zurück liegt…

Es gibt ein Grundstück in einem Außenbezirk in Berlin, das seit den Goldenen Zwanzigern im Besitz meiner Familie ist. Mein Urgroßvater Max kaufte das Grundstück, um seiner Frau, meiner Urgroßmutter mit dem klingenden Namen Philippa und ihren Kindern eine Heimat zu geben. Als Bauunternehmer und Architekt brauchte er Platz, den es in der rasant wachsenden Stadt Berlin nicht mehr gab. Sie zogen aus ihrer Wohnung in Wilmersdorf in den Speckgürtel Berlins.
Die rasch folgende Weltwirtschaftskrise brachte meinen Urgroßeltern leider viel Kummer und wirtschaftliche Sorgen. In seiner Not verkaufte Max die Hälfte seines Grundes.

Der Krieg und seine Leiden

Auf dem verbleibenden Teil stand das Wohnhaus und Geschäftshaus und die Familie lebte mit drei Kindern dort bis zum Ausbruch des Krieges. Der Krieg nahm Max und Phlippa ihren jüngsten Sohn Heinz, ihre älteste Tochter verließ das Elternhaus und heirate in einer anderen Stadt. Die jüngere Tochter Ursula – meine Oma – verlor in diesen wirren Zeiten des Krieges nicht nur ihren geliebten Bruder, auch die Eltern Max und Philippa starben bald darauf. Als junge Frau stand sie in den Kriegswirren allein.

Die Zeiten brachten viele bunte Besucher in das Haus. Und es brachte der jungen Ulla, die mit ihrem Baby Angela – meiner Mutter – aus der Evakuierung nach Hause kam etwas ganz wichtiges: Boden zum Ackern und Überleben und ein Dach über dem Kopf. Erst in den 1960er Jahren zogen die Beiden in eine deutlich komfortablere Wohnung ganz in der Nähe. Das von Max gebaute Haus hatte den Krieg und seine bunten Gäste überlebt und ächzte mittlerweile unter der Last der Jahre und seiner Geschichte.

Frischer Wind und duftende Speisen

Mein Hausbau – Eine wahre Geschichte Teil 1Meine Eltern haben als junges Paar – lange vor meiner Geburt – dem Grundstück neues Leben eingehaucht. Das alte Holzhaus wurde abgerissen, der Garten neu gestaltet und ein schicker neuer Bungalow im Stil der 70er gebaut. Von nun an, verbrachten wir als Familie bis in die 1990er Jahre die Wochenenden und Urlaube „im Garten“. Meine Oma mit ihren stets angebrannten Kuchen und köstlich duftenden Braten eigentlich immer dabei.

Mein Garten wurde zu meiner Fundgrube, zum Refugium und zum Ort meiner Phantasie. Im alten Schuppen vom nicht gekannten Max grub ich Schätze aus, alte Bücher meiner Großmutter, brachte mir das Lesen der alten deutschen Schrift an Ausgaben des „Nesthäkchens“ von Else Ury bei, adoptierte junge Katzenbabys als meine eigenen und war versunken in der Welt der Vergangenheit. Der Garten mit seinen uralten Obstbäumen und Beeren und Früchten war mein Phantasiewelt.

Diese Kindheits-Welt lag fast 30 Jahre brach, ab dem Zeitpunkt da ich erwachsen wurde und Garten „doof“ fand und meine Eltern auch keine Lust mehr hatten. Der Bungalow steht bis heute da, um ihn herum hat sich das Straßenbild so gewandelt, dass es die Straße eine völlig neue Struktur bekam.

Meine Eltern sind heute beide über 70 Jahre und haben mir letzten Sommer ein großes Geschenk gemacht und mir das Grundstück geschenkt. Dahinter stand die Idee, etwas auf dem Grundstück zu bauen, dem Familien-Grund-und-Boden neues Leben einzuhauchen und das Erbe von Opa Max weiter zu führen.

Bildquelle: Skitterphoto / pixabay