Hausbau

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Mein Hausbau – Eine wahre Geschichte Teil 2

Die Idee war geboren: wir bauen gemeinsam ein Haus. Ein Haus, das sich in das neue Straßenbild einfügt.

Die Straße ist von großen Stadtvillen gesäumt. Puh… uns blieb die Luft weg. Das ist ein großes Erbe, das Max uns da hinterlassen hat. Das muss sich rechnen. Schnell waren die Eckdeterminanten dieser Idee definiert. Wir kannten unser Budget, wir kannten den Rahmen eines möglichen Kredites und wir hatten eine Rendite definiert, die das Ganze wirtschaftlich tragbar machen könnte für die nächsten 30 Jahre.

Der erste Schritt war der Gang zur Notarin, die in einem fast schon feierlich anmutendem Akt die Schenkungsurkunde vorlas. Jetzt stand ich im Grundbuch und mir gehörte ein Grundstück. Ein sehr bewegender Moment, weil es der Garten meiner Kindheit war, der so fest in meinem Sein als Kraftquelle verankert ist.

Von hier auf jetzt besaß ich ein Grundstück

Und dann wurde es sehr schnell sehr irdisch. Mit den definierten Eckdeterminanten gingen wir auf die Suche nach einem Dienstleister, der das Projekt realisieren sollte. Wir haben mit mehreren Hausbaufirmen gesprochen, verhandelt, geschwitzt und viel viel heiße Luft atmen müssen. Die erste Erfahrung mit einer Hausbaufirma in Berlin: sie kassierten Geld für eine Planung und große Versprechen, die sich innerhalb unserer Kriterien bewegen sollte und am Ende das Budget völlig aus dem Ruder laufen lassen sollte. Unsere Überweisung war ein kleiner warmer Regen. Wir schrieben ihn als Lehrgeld ab.

Der nächste Ansatz: wir fanden eine Baufirma, die Rahmenbedingungen passten und wir unterschrieben nach vier Monaten des Kennenlernens, Verhandelns und Abstecken der Vertragsdetails einen Bauvertrag für den Bau von zwei Stadtvillen auf Max und Philippes Grundstück. Die Zusage der Finanzierung durch eine Bank kam drei Monate später. Nun sollte es losgehen. Der Architekt erstellte erste Pläne, wir machten uns mit den Projektschritten eines Hausbaus vertraut.

Hätte, wäre, könnte – Hinterher ist man immer schlauer

Im Juli, vier Monate nach Vertragsunterschrift reichten wir den Bauantrag beim Bauamt ein. Und dann wurde es wieder sehr irdisch. Das Bauamt bestätigte uns den Eingang des Bauantrages und führte ein zweiseitige Liste auf, welche Unterlagen fehlen, welche Angaben unvollständig sind und setzte uns eine Nachfrist 6 Wochen später. Hatte ich schon erwähnt, dass die erste Rate über 10% der Bausumme von uns nach Einreichen des Bauantrages bezahlt wurde? Ein unkluger Schritt, das zu tun. Es wäre klüger gewesen, diese Rate solange zurück zu halten, bis die Leistungen für diese Leistungsphase vollständig erbracht wurden. Hätte, wäre, könnte… die Erkenntnisse der nächsten Tage waren nicht absehbar.

Es gab viele Details, in die insbesondere mein Vater und ich uns zu Eigen machen mussten. Wir stellten fest, dass der planende Architekt mit dem Projekt völlig überfordert war. Wir bekamen ein Gesicht der Baufirma zu sehen, dass uns

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konstanierend aufschauen ließ. Fristen wurden nicht eingehalten, Nachfragen von uns nicht beantwortet. Mails nicht gelesen, Telefonate verweigert. Bis hin zu dem Erleben, dass uns die in der Baufirma auch arbeitende Ehefrau des Eigentümers sagte, wir würden sie stalken, ihnen die Zeit stehlen und uns bitteschön zu gedulden haben. Das würde schon alles seinen Lauf nehmen. Anlass war, dass sich in der akuten Phase der Nachforderungen durch das Bauamt der einzige Kompetenzträger des Projektes, unser Architekt, für drei Wochen in den Urlaub verabschiedete.

Zwischenzeitlich gab es Nachfragen der Wasserbehörden zu klären, ob die Wasserbetriebe der Versickerung des Regenwasser zustimmen. Themen, die offensichtlich dazu gehören und plötzlich von uns selbst zu klären waren. Mein Vater und ich verbrachten nun täglich bis zu drei Stunden mit dem Bauvorhaben, neben dem normalen Job. Obwohl ich einen Vertrag über schlüsselfertiges Bauen unterschrieben hatte. Mich erreichten Anrufe der Wasserbetrieb, dass Unterlagen fehlen. Welche?
Mir eröffnete sich eine nie bekannte Welt. Durch Zufall spürte ich zusätzlich auf, dass der Architekt – immer noch im Urlaub – vergessen hatte, den Prüfingenieur für das zu prüfende Brandschutzgutachten zu bestellen. Der Statiker war auch nicht involviert. Der Wasserbehörde fehlten wichtige Unterlagen.

Das Projekt verzögerte sich zu dem Zeitpunkt absehbar um mindestens sechs Monate. Wir befanden uns mittlerweile in Monat 7 nach Vertragsunterschrift.